So reagierst du richtig auf fallende Aktienkurse

by Finploris
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Investieren ist anspruchsvoll. Und zuweilen nervenaufreibend. Denn wenn man sieht, dass die eigenen Investitionen an Wert verlieren, ist das ärgerlich. Es fühlt sich wie ein Verlust an, nicht wahr? Und warum?

Weil du etwa auf falsche Aktien gesetzt hast? Doch je nachdem, in was du investiert hast, ist das nicht der Fall. Denn wenn erst einmal der gesamte Aktienmarkt einbricht, dann fallen die Kurse auf breiter Front – egal in welche Aktie du investiert hat.

Fallende Aktienkurse – abwarten und cool bleiben

Bis jetzt habe ich alle Marktturbulenzen überstanden. Die Finanzkrise 2009, den COVID-Crash im Jahr 2020, die Ära der Nullrendite im Jahr 2018 und – jetzt – die Marktkorrektur im Januar 2022. Das heißt, dass ich in den letzten Jahren des Investierens viermal auf die Probe gestellt worden bin.

Auch du wirst auf diese Weise früher order später auf die Probe gestellt werden. Denn so funktioniert der Aktienmarkt nun mal. Getestet wird vor allem deine Risikotoleranz. Beim ersten Mal wird dir solch ein Einbruch am Aktienmarkt noch hart vorkommen.

Sieh es also als eine Art Lernerfahrung…

Risikotoleranz

Kurz gesagt geht es bei der Risikotoleranz darum, wie viel du emotional aushalten kannst, wenn dein hart verdientes Geld in einem schlechten Börsenjahr den Bach hinuntergeht. Der menschliche Verstand ist instinktiv auf eine niedrige Risikotoleranz eingestellt.

Sobald unsere prähistorischen Vorfahren einem Bären begegneten, haben sie sich auf Teufel komm raus aus dem Staub gemacht. In der heutigen Zeit begegnet man den Bären nur noch in Form des Bärenmärkts.

Bärenmärkte bedeuten per Definition, dass der Markt mindestens 2 Monate lang um mindestens 20 % gefallen ist. Obwohl es sich nicht um einen echten Bären handelt, der bereit ist, dich zu jagen, reagieren unvorbereitete Anleger so, als ob er es wäre. Sie fallen in die Panikreaktion unserer Vorfahren zurück, wobei der Affenverstand ein riesiges Raubtier mit einem menschlichen Konstrukt verwechselt.

Damit soll diese Panik nicht abwertend gemeint sein, denn sie ist eine nur allzu menschliche Reaktion auf eine plötzliche Herausforderung. Ich mache mich nicht über diejenigen lustig, die in Panik geraten sind und schimpfe auch nicht über sie. Es bedarf einer bewussten Umstellung, um bei einer Marktflaute nicht in Panik zu geraten und zu verkaufen. Diese Umstellung bedeutet nichts anderes, als dass man seine Risikotoleranz erhöht.

Für jemanden, der jung und neu in der Welt des Investierens ist, ist das Wissen um seine aktuelle Risikotoleranz der Schlüssel, um sich eine Menge finanzieller und emotionaler Schmerzen zu ersparen.

Wetten auf fallende Aktienkurse?

Für alle, die langfristig denken

Ich hätte es nicht besser sagen können als mit den zeitlosen Worten von JL “Jim” Collins, einen Experten im Bereich der Finanzbildung. Insbesondere, weil es ziemlich schwer ist, gegen seinen leicht verständlichen Ansatz zur Erklärung des Aktienmarktes zu argumentieren. Er hat eine phänomenale 36-teilige Aktienserie zu diesem Thema verfasst, aber wir werden uns auf Teil 2 mit dem Titel “The Market Always Goes Up” konzentrieren.

In diesem Artikel teilt er eine Fülle an großartigen Informationen, um zu erklären, warum du während eines Abschwungs an der Börse investiert bleiben solltest – anstatt dein Geld aus dem Markt zu ziehen. Zu Beginn gibt er ein ergreifendes Beispiel, das kein Anleger unter 40 Jahren erlebt hat.

Der große Ausstieg aus dem Aktienmarkt am Black Monday. Dieser Tag im Jahr 1987 ließ Banker weltweit zittern. Und warum? Weil die Aktienmärkte an nur einem Tag rund 20 % an Wert verloren. Das bedeutet, dass deine Investition von 10.000 Euro in nur wenigen Stunden des Handels über 2.000 Euro verloren hätte. Jeder größere Aktienmarkt auf der Welt erlitt Kursverluste, einige in Übersee sogar über 40 %.

Geringes Abwärtsrisiko mit großem Aufwärtspotenzial

Jim war damals ein Anleger, der seine Risikotoleranz noch nicht ausreichend unter Beweis gestellt hatte. Das kam ihm teuer zu stehen, denn einige Monate später stieg er ganz aus dem Markt aus und machte seine Verluste quasi “fix”. Solange du investiert bist, kann der Wert deiner Anlage steigen oder fallen. Der Verlust wird aber erst dann endgültig festgelegt, wenn du dich entschließt, deine Investments zu verkaufen. Genau das hat Jim am Ende getan – und er bedauert es sehr.

Ich verlor die Nerven und verkaufte. Ich war einfach nicht stark genug. Dieser Tag war zwar nicht der absolute Tiefpunkt, aber nahe genug daran.

Dann begann natürlich, wie immer, der Markt wieder seinen unaufhaltsamen Aufstieg. Der Markt geht langfristig immer nach oben.

Es dauerte etwa ein Jahr, bis ich meine Nerven wieder im Griff hatte und wieder in den Markt einstieg. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Markt seinen Höchststand nach dem Black Monday bereits wieder überschritten. Es war mir zwar gelungen, meine Verluste zu begrenzen, aber ich zahlte eine hohe Prämie, um wieder in den Aktienmarkt einzusteigen. Das war teuer. Es war dumm. Es war ein peinliches Versagen meiner Nerven. Ich war einfach nicht stark genug.

JL Collins

Brauche ich eine Absicherung gegen fallende Aktienkurse?

Jims Aussage sagt eigentlich schon alles aus: Deine Risikotoleranz kann dich als Anleger voranbringen oder brechen, was beweist, dass es am besten ist, den Kurs zu halten und das Geld nicht aus dem Aktienmarkt herauszuziehen.

In der Theorie ist das großartig. Doch es ist allerdings eine bittere Pille, die man schlucken muss, wenn man aktiv zusieht, wie das eigene Geld immer weniger wird, weil die Wall Street verrückt spielt. Deine Aktien sind gerade am sinken und man sagt dir, du sollst nichts dagegen tun?!

Auf keinen Fall! Du wirst dafür sorgen, dass die Welt weiss, dass du etwas dagegen unternimmst!

Wenn du also wirklich etwas dagegen tun musst, egal was ich oder kluge Köpfe wie Jim dir sagen, dann okay. Hier sind also die besten Schritte, die du unternehmen kannst, wenn deine Aktien fallen.

Sieh dir hierzu an: WIE KAUFT MAN AKTIEN? und WIE MAN IN AKTIEN INVESTIERT.

Schritt 1: Schau nicht mehr so oft in dein Portfolio

Wenn du eine geringe Risikotoleranz besitzt und dir das bewusst ist, dann solltest du deine Kapitalanlage höchstens ein paar Mal im Jahr überprüfen. Als langfristiger Anleger in Indexfonds oder ETFs sollte dein Kontrollblick sogar noch seltener sein. Die Historie des Aktienmarkts besagt doch schon, dass sich der Markt wieder erholen wird.

Aber du profitierst nur vom Aufschwung, wenn du deine Aktienpositionen nicht verkaufst und die Verluste entsprechend nicht realisierst. Mach es nicht wie die in Panik geratenen Anleger im Jahr 1987.

DU WILLST EINFACH NICHT IN PANIK VERKAUFEN.

Was ich damit sagen will: Du musst dir nicht noch mehr Stress aufladen, indem du dir wegen negativer Marktschwankungen Sorgen machst. Tu dir selbst einen Gefallen und vertraue auf die Weisheit, langfristig in ETFs oder solide Unternehmen zu investieren*.

Schritt 2: Schichte dein Aktienportfolio um

Jetzt ist es also an der Zeit, deine Investitionen so umzustrukturieren, dass sie besser zu deiner Risikotoleranz passen. Es ist keine Schande und absolut nicht verkehrt, eine andere Gewichtung für deine Anlagen zu wählen. Was du jetzt tun solltest, ist, sich mit dem Kompagnon der Aktien zu befassen: nämlich Anleihen.

Ich habe bereits über Indexfonds und ETFs für den Aktienmarkt gesprochen. Was ich noch nicht ausreichend besprochen habe, sind Anleihen-Indexfonds. Es gibt viele großartige Anleihefonds*, die gut in ein Portfolio passen würden.

Anleihen sind zwar dafür bekannt, dass sie weniger Rendite abwerfen, aber sie sind absolute Lebensretter, wenn es hart auf hart kommt. Auch wenn die Zahlen nahelegen, dass es langfristig die beste Strategie ist, sich voll und ganz auf den Aktienmarkt zu konzentrieren. Deine eigenen menschlichen Bedürfnisse sollten nicht unberücksichtigt bleiben.

Du möchtest investiert bleiben ohne Panikverkäufe zu tätigen oder deine Angst zu verstärken. Wenn Anleihen diese Panik durch geringere Kursschwankungen lindern können, sind sie es wert.

Sobald du dich entschieden hast, welche Anleihen am sinnvollsten für deine Investmentstrategie sind, überlege dir, wie viel Prozent deines Geldes du in diese investieren möchtest.

Wenn jemand sagt, sein Portfolio sei “konservativ”, bedeutet das, dass er viele Anleihen hält. Rebalancing deines Portfolios ist nichts ungewöhnliches. Millionen von Anlegern nehmen jedes Jahr eine Umschichtung vor.

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