K+S: BaFin beauftragt Prüfung des Konzernabschlusses

by Finploris
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Marktreaktion

Ende letzten Jahres sah es für K+S nach langer Durststrecke noch so vielversprechend aus. Die Aussicht auf den möglichen Verkauf des amerikanischen Salzgeschäfts gab der Aktie neuen Aufwind. Mit dem erwarteten Verkauf der US-Tochter Morton Salt an die Kissner Group sollten Schulden abgebaut werden.

Doch dann sorgte die Finanzaufsicht BaFin am Mittwoch für einen neuen Schock. Sie geht dem anlassbezogenen Verdacht nach, dass die Abschreibung in Höhe von zwei Milliarden Euro auf die Kalimine in Kanada zu niedrig ausgefallen sei. Aufgrund konkreter Anhaltspunkte für eine fehlerhafte Rechnungslegung wurde die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung DPR beauftragt, den Konzernabschluss 2019 und den Halbjahresabschluss 2020 nochmals zu prüfen.

Die Verunsicherung der Investoren ließ die Aktie um 17 Prozent auf 8,31 Euro einbrechen. Damit stürzte die Aktie auf ein erneutes Tief und war so billig wie vor 16 Jahren. Seit dem Hoch von 85 Euro im Jahr 2008 hat die Aktie rund 90 Prozent an Wert verloren. Damit machen Fehlinvestitionen, Überkapazitäten und stark schwankende Kalipreise den Rohstoffkonzern K+S zu einem Wertvernichter für langfristig orientierte Anleger.

Investitionen und Verschuldung

Insbesondere der Aufbau der Kalimine in Kanada erwies sich als große finanzielle Belastung, die den Konzern an den Rand des Ruins brachte. Dem drei Milliarden Euro teurem Investitionsprojekt folgten ab dem Jahr 2017 hohe Produktionskosten, die den Verkaufspreis für eine Tonne Kali überstiegen. Zugleich nahm die Verschuldung durch weitere Investitionen auf 4,4 Milliarden Euro zu. Das Unternehmen übernahm 2006 den südamerikanischen Salzproduzenten Sociedad Punta de Lobos und 2009 die amerikanischen Firma Morton Salt.

2015 unterbreitete der kanadische Konkurrent Potash, heute firmiert das Unternehmen unter dem Namen Nutrien, den Aktionären von K+S eine milliardenschwere Offerte. Es bot 41 Euro je Aktie, was einem Aufschlag von gut 40 Prozent zum Aktienpreis vor Bekanntgabe des Angebots entsprach. Doch das Management sah die Offerte als zu gering an und lehnte es ab. Der Niedergang des Unternehmens setzte sich anschließend durch weiterhin niedrige Kalipreise und die hohe Verschuldung fort. Dadurch war das Unternehmen gezwungen, das Salz-Geschäft in Nord- und Südamerika für 3,2 Milliarden Euro zu verkaufen, um die Schuldenlast zu reduzieren. Übrig bleibt das viel kleinere europäische Salzgeschäft mit seinen verlässlichen Gewinnmargen und das Kaligeschäft, mit dem sich K+S in die Abhängigkeit des volatilen Düngemarkts begibt.

Sollte K+S die Erwartungen zum Kalipreis vor dem Verkauf des amerikanischen Salzgeschäfts zu hoch angesetzt haben, könnte es durch die Finanzaufsicht nun verpflichtet sein, eine weitere Wertberichtigung vorzunehmen. Dadurch könnte das Unternehmen zur Aufnahme frischen Kapitals gezwungen sein. Angesichts der hohen Schuldenlast wäre die Herausgabe neuer Aktien eine Möglichkeit, um Kapital bei den Aktionären einzusammeln. Die steigende Aktienzahl würde allerdings die Beteiligung bestehender Aktionäre an K+S weiter verwässern.

Aktienkurs

Kennzahlen

201920182017
Umsatz in Mio. €4.070,74.039,13.627,0
Eigenkapitalquote %42,441,642,7 
Dividende je Aktie0,040,250,35 

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