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Anlegerfehler selektive Wahrnehmung

by Finploris
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Unsere Wahrnehmung und die tatsächliche Realität sind zwei verschiedene Dinge. Besonders kostspielig wird dieser Tunnelblick an der Börse. Bereits beim Kauf werden unkritisch alle Argumente herangezogen, welche die eigene Idee untermauern. Abweichende Argumente werden hingegen als Störgeräusche bewusst ausgeblendet. Das Internet treibt die selektive Wahrnehmung in einschlägigen Gruppen und Foren auf die Spitze. Gegenargumente und kritische Stimmen gelten als deplatziert. Dabei täten vernünftige Warnungen oft gut, die Meinung zu bestimmten Anlageideen und Aktien kritisch zu überdenken. Das Verdrängen erdrückender Fakten macht auch bei der Bewertung der gehaltenen Papiere nicht halt. Verlustpositionen werden als unausweichliches Schicksal abgestempelt. Gewinner als eigener Börsenerfolg gefeiert.   

Verluste schmerzen mehr
Steigen die Kurse, wollen sich viele Anleger über die Gewinne ihrer Depotpositionen freuen. Sinken die Kurse, verdrängen Börsianer lieber ihre Verlustbringer. In wissenschaftlichen Untersuchungen fand man heraus, dass Gewinne als weniger erfreulich empfunden werden, als Verluste in gleicher Höhe stärker schmerzen. Die Dissonanz ist damit zu erklären, weil Kursverluste eine Fehleinschätzung mit einhergehenden Schuldgefühlen widerspiegeln. Entsprechend zurückhaltend reagieren Börsianer mit dem Verkauf ihrer Misserfolgs-Papiere und der Realisierung von Verlusten. Zu groß ist häufig die Hoffnung, dass die eigenen Aktien wieder in die Kursgewinnzone drehen. Aussitzen ist dagegen weniger schmerzlich, auch wenn dadurch weniger aus Fehlern gelernt werden kann.

Betrachte beide Perspektiven
Der selektiven Wahrnehmung kann begegnet werden, indem vor dem Kauf auch Gegenargumente für einen Verkauf in Betracht gezogen werden. Und umgekehrt, bei einem Verkauf auch Argumente für einen Kauf überlegt werden. Wer Transaktionen aus entgegengesetzten Perspektiven betrachtet, bewertet die eigenen Investitionsentscheidungen differenzierter und macht sich vorab über seine persönliche Schmerzgrenze bei Kursverlusten Gedanken. Diese mentale Schmerzgrenze lässt sich systematisch mit Stop-Loss-Orders umsetzen – ohne wieder in die Falle selektiver Wahrnehmung zu geraten.

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