Der ausbleibende Hypothekenboom

by Finploris
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Wird die große Inflationswelle noch kommen? Vermutlich nicht. Denn das würde voraussetzen, dass Banken im Niedrigzinsumfeld massiv Kredite vergeben. Die Kreditvergabekanäle sind aber angesichts der günstigen Kapitalkosten tendenziell limitiert, obwohl Haushalte die niedrigeren Zinsen zur Refinanzierung nutzen könnten. Dadurch würde sich entweder die Kreditsumme bei gleichbleibend monatlichen Zinszahlungen erhöhen oder bei gleichbleibender Kreditsumme würden sich die Zinszahlungen reduzieren. Unterm Strich stünde den Haushalten mehr Geld zum Konsum zur Verfügung, wodurch die Inflation steigen könnte – jedenfalls theoretisch.

Niedrigere Kapitalkosten
In ihrer Studie haben Gene Amromin, Neil Bhutta, and Benjamin J. Keys die Hypothekenfinanzierungen in den USA untersucht. Die nachfolgende Auswertung zeigt den Häuserboom in den frühen 2000er. Refinanzierungs- und Auszahlungsrate waren beide auf hohem Niveau. In den Folgejahren erholte sich die Auszahlungsrefinanzierungsrate nicht mehr, die Refinanzierungsrate hingegen erlebte in den Jahren 2010 bis 2012 ihren zweiten Frühling bei niedrigeren Zinsraten und günstigeren Kapitalkosten.

Source: Amromin et al. (2020)

Refinanzierungen ohne signifikanten Vorteil
Zwischen 2009 und 2012 sanken die 30-jährigen Immobilienkreditraten auf neue Tiefstände. Haushalte mit einem guten Kreditrating refinanzierten ihre Hypotheken zu niedrigeren Zinsraten. Angesichts vergleichbarer Trends bei Hypothekenzinsen im Jahr 2018, müssten doch folgerichtig die Hypothekenrefinanzierungen ansteigen und der Konsum zunehmen. Während die Haushalte 2012 ungefähr 5% an Zinsen zahlten, waren es 2018 zwischen 3% und 3,5%. Eine weitere Reduzierung der Darlehenssumme wird keine signifikanten Einsparungen nach sich ziehen. Die untenstehende Abbildung zeigt die Zinszahlungen jeweiliger Hypotheken für 2006, 2012 und 2018. Da derzeitige Hypotheken mit ihren 3% Zinsraten nur noch wenig Einsparpotenzial bieten, hätten Haushalte bei weiteren Refinanzierungen nicht wesentlich mehr frei verfügbares Einkommen. Dieses müsste aber ansteigen um höhere Konsumausgaben zu ermöglichen. Erst dadurch würde die Inflation steigen. Trotz niedrigerer Zinsen können wir deshalb für die Zukunft nicht zwangsläufig von steigenden Inflationsraten und einem neuen Hypothekenboom ausgehen.

Source: Amromin et al. (2020)

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