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Seltene Ereignisse im Optionshandel

by Finploris
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Die aufsehenerregendsten Gewinne von bekannten Investoren sind oft selten. Aber wenn sie eintreten, dann sind sie überdurchschnittlich hoch und profitabel. Lohnt es also, lieber hohe und seltene Gewinne anzustreben, als sich mit kleinen und regelmäßigen Gewinnen zufrieden zu geben?

Seltene Ereignisse
Bekannt sind etwa die Spekulationen gegen die Immobilienblase im Jahr 2009 oder die Wette auf fallende Ölpreise im Jahr 2020, mit denen einige Hedgefondsmanager unvorstellbar hohe Renditen erzielten. Die Strategie dahinter war, mit vorausschauenden Trades auf selten eintretende Ereignisse zu wetten. Statistisch gesehen, sprachen die niedrigen Erfolgschancen gegen die beiden Investments. Zu unwahrscheinlich schienen das Platzen der Immobilienblase und der drastische Ölpreisverfall bis in die roten Zahlen zu sein.

Unterbewertete Optionen
Weil die Mehrheit der Marktteilnehmer solche außergewöhnlichen Ereignisse nicht für möglich hielt, waren die entsprechenden Optionen sehr günstig. Mit Eintreten dieser Ereignisse explodierten förmlich die Optionspreise und einige wenige Marktteilnehmer erzielten überdurchschnittlich hohe Renditen, während alle anderen Investoren Verluste erlitten. Das Gewinnpotential bei Wetten auf selten eintretende Ereignisse ist auch deshalb so hoch, weil der Markt potentielle außergewöhnliche Ereignisse nicht fair einpreist und dadurch entsprechende Investitionen unterbewertet sind. Abzulesen ist dies etwa an den unverhältnismäßig niedrigen Optionspreisen gewesen.

Wahrscheinlichkeiten verfallener Optionen
In Bezug auf Optionen wird häufig der Verkauf von Optionen gegenüber dem Kauf von Optionen in Erwägung gezogen. Insbesondere bei Privatinvestoren wird mit einem regelmäßigen Einkommen als Stillhalter, Optionsverkäufer, geworben. Dabei wird die häufig günstige Wahrscheinlichkeit der Optionspreisentwicklung für den Optionsverkäufer als Vorteil verstanden. Denn unter den folgenden drei Bedingungen verläuft das Optionsgeschäft zu Gunsten des Optionsverkäufers, wodurch er seine Optionsprämie behalten kann. Zu den vorteilhaften Optionsgeschäftsentwicklungen gehören:

  1. der Basiswert der Option entwickelt sich in die angenommene Entwicklung
  2. der Basiswert bewegt sich kaum und verletzt nicht den Strike (Ausübungspreis)
  3. Der Basiswert entwickelt sich leicht gegen die angenommene Entwicklung und der Strike wird nicht verletzt

Laut einer SEC Untersuchung sollen 90 Prozent aller Optionen wertlos verfallen. Dies würde im Umkehrschluss bedeuten, dass in 90 Prozent der Fälle der Optionsverkäufer einen Gewinn erzielt und seine Optionsprämie behalten darf, während der Optionskäufer einen Verlust mit seiner wertlosen Option zu verzeichnen hat. Wenn der Optionsverkauf gemäß der unterstellten Wahrscheinlichkeit so vielversprechend ist, warum verdient dann nicht jeder Investor sein Geld mit dem Verkauf von Optionen? Warum gibt es dann keinen weltbekannten Investor, der Stillhalter ist?

Der Unterschied zwischen Erwartungswert und Wahrscheinlichkeit
Die isolierte Betrachtung der 90 prozentigen Gewinnwahrscheinlichkeit des Optionsverkäufers ist jedoch unvollständig, wenn wir nicht auch berücksichtigen, wie hoch der durchschnittliche Verlust während der verbliebenen 10 Prozent Verlusttrades ist. Aus psychologischer Sicht mag der Optionsverkauf sich weniger schmerzlich anfühlen, als der Optionskauf. Denn mit dem Optionsverkauf stehen häufige, aber kleine Gewinne und seltene, aber große Verlusten dem Optionskauf mit häufigen, aber kleinen Verlusten und seltenen, aber großen Gewinnen gegenüber. Aus wirtschaftlicher Betrachtungsweise ist daher beim Optionsverkauf wichtig, die wenigen, aber großen Verluste signifikant in ihrer Höhe einzugrenzen. Denn ansonsten können die zuvor erzielten häufigen, aber begrenzten Optionsprämien durch einen einzigen und theoretisch unbegrenzten Verlust vollständig aufgezehrt werden. Im schlimmsten Fall überschreitet der Verlust die zuvor realisierten Optionsprämieneinnahmen. Beim Kauf von Optionen stehen viele, aber begrenzte Optionsverluste, wenigen, aber unbegrenzten Gewinnen gegenüber. Weil diese Strategie eine sehr hohe psychische Toleranzschwelle gegenüber Verlusten abverlangt, wird sie nur von wenigen konsequent umgesetzt. Diejenigen, welche die mentale Stärke dazu aufbringen, können damit aber sehr erfolgreich sein.

Das Investorenprofil von institutionellen und privaten Optionshändlern
Das Investorenprofil zeigt, dass gerade institutionelle Anleger mit dem Optionskauf enorme Gewinne erzielen können. Die abschließende Frage lautet: Warum tun dies nicht auch Privatinvestoren? Der Grund liegt darin begründet, dass insbesondere der Optionsverkauf beworben mit, da sich der Traum von regelmäßigen Einnahmen besser verkaufen lässt, als die Aussicht auf einige, aber sehr hohe Gewinne beim Optionskauf. Doch dadurch, dass asymmetrische Wetten auf außergewöhnliche Ereignisse zu niedrig gepreist sind, verdienen Optionsverkäufer bei gleichzeitig hohen und unbegrenzten Verlustrisiken zu wenig, während Optionskäufer mit unterbewerteten Optionen von einem deutlich besseren Gewinn- und Verlustprofil profitieren.

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