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Die Digitalisierung bei Venture Capital Fonds

by Finploris
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Die Venture Capital Branche verzeichnete in der letzten Dekade ein signifikantes Wachstum. So stieg allein die Anzahl amerikanischer und europäischer Venture Capital Fonds um 33 Prozent von 251 auf 336 Fonds im Zeitraum zwischen 2009 und 2019. Im Median beläuft sich das Investitionskapital amerikanischer Risikobeteiligungsgesellschaften auf 78,5 Millionen Dollar und das europäischer Gesellschaften auf 105 Millionen Euro. Die steigende Anzahl an Fonds führt entsprechend zu einem verschärften Wettbewerb um die aussichtsreichsten Investitionsmöglichkeiten.

Neben der herkömmlichen aktiven Suche nach vielversprechenden Startups nutzen Risikokapitalgeber immer häufiger quantitative Analysetools. Diese verwenden maschinelles Lernen (ML) zur Erkennung zukünftiger Einhörner, besonders wertvoller Wachstumsunternehmen. Mittels Webcrawler und Datenfeeds werden zu Beginn der quantitativen Analyse Daten gesammelt. Diese Daten werden anschließend durch einen Algorithmus analysiert und nach aussichtsreichen Startups hin untersucht. Bisher stellen sich lediglich 10 Prozent aller risikokapitalfinanzierten Unternehmen Venture Capital Fonds durch erstmaligen Mailkontakt vor. In ungefähr 32 Prozent aller Deals zwischen Unternehmensgründern und Kapitalgebern ergibt sich der geschäftliche Kontakt durch die Verfügbarkeit von Online-Ressourcen wie den Startup-Datenbanken Crunchbase oder Pitchbook. Das Screening dieser Datenbanken wird manuell durchgeführt und ist daher nicht skalierbar und sehr zeitaufwendig.

Die Basis der quantitativen und automatisierten Analyse besteht demgegenüber darin, neue Investitionsobjekte computergestützt in zahlreichen Datenquellen wie öffentlichen Unternehmensregistern, Newsseiten, Produktplattformen oder App Stores zu finden. Hierzu werden die gesammelten Daten nach fünf Kategorien klassifiziert, um daraus das Wachstumspotential eines neu gegründeten Unternehmens ableiten zu können. Zu den fünf Bewertungskategorien gehören:

  1. Unternehmensprofil (Unternehmensstandort, Branche, Finanzierungsstand)
  2. Markt (Marktgröße, Marktwachstum, Niche/Fragmentiert)
  3. Produkte/Services (Produktstrategie, technischer Vorsprung)
  4. Entrepreneure (Managementfähigkeiten, betriebswirtschaftliches/technisches Wissen)
  5. Finanzierung (bestehende Investoren, Finanzausstattung)

Andre Retterath untersuchte hierzu in seiner Studie die Performance computergestützter Investmententscheidungen gegenüber herkömmlichen, manuellen Investmententscheidungen in der Venture Capital Branche. Seine Untersuchungsergebnisse legen nahe, dass ein quantitativer, computergestützter Ansatz eine um 25 Prozent höhere Performance gegenüber dem Median menschlicher Entscheidungen erzielt. Im Vergleich zu automatisierten Handelsstrategien am Aktienmarkt ergibt sich allerdings die Herausforderung daraus, dass die entscheidenden Daten nicht in gleicher Weise vorhanden, vollständig und richtig sind. Dennoch verdeutlichen die Fortschritte der Digitalisierung bei Venture Capital Fonds, dass als Ergänzung zum klassischen Investment Screening Algorithmen einen wertvollen Beitrag zur Identifizierung zukünftiger Wachstumsunternehmen leisten.

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