Risk-Rating: Value und Momentum

by Finploris
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Die Bewertung von Risiken ist eine zentrale Fragestellung in der Finanzwirtschaft. Besondere Bedeutung erfuhr dabei die akademische Abhandlung der modernen Portfoliotheorie. Ihre geistige Grundlage basiert unter anderem darauf, Risiko als Standardableitung der Renditen, der sogenannten Volatilität, zu definieren.

In einer Untersuchung wurden Finanzexperten mit einem CFA und DVFA Abschluss gebeten, ihre Rendite- und Risikoerwartung von Aktien anhand verschiedener Kenngrößen einzuschätzen. Im Gegensatz zur Risiko-Faktor-Hypothese schätzten die Studienteilnehmer Value- und Momentum-Aktien als weniger riskant ein. Andere Faktoren hingegen, wie die Unternehmensgröße und das Beta, glichen der traditionellen Interpretation als Risikofaktoren. Übereinstimmend mit empirischen Erkenntnissen, bestätigen Forschungsergebnisse die höhere Renditeerwartungshaltung der befragten Experten zu Momentum-Aktien.

Source: Merkle and Sextroh (2020)

Wenn jedoch Value-Aktien mit geringerem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) als weniger riskant von Seiten der Studienteilnehmer eingeschätzt werden, wie lässt sich dann erklären, dass gleichzeitig auch Momentum-Aktien, charakterisiert mit hohen Renditen in der Vergangenheit, ebenfalls als risikoärmer bewertet werden? Schließlich bedeutet Momentum im Umkehrschluss, dass diese Aktien tendenziell höhere KGV und KBV aufweisen. Dieser Widerspruch findet sich nicht nur in der Praxis, sondern auch in der akademischen Welt.

Obwohl Aktien mit geringerem KGV und KBV von Finanzexperten als weniger risikoreich eingestuft werden, gelten hingegen in der akademischen Welt Value-Aktien als risikoreicher, denn ihre höheren Renditen werden mit höherem Risiko gleichgesetzt, begründet durch schwierige Unternehmenssituationen oder unliebsame Branchen. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Beurteilung von Risiken anhand von Finanzkennzahlen nicht frei von Widersprüchen ist. Einerseits scheinen Kurssteigerungen Investoren ein Gefühl von Sicherheit zu geben, andererseits werden die damit einhergehenden höheren Unternehmensbewertungen als risikoreicher eingestuft. Hinsichtlich der Value-Aktien zeigt sich dieser Widerspruch in der akademischen Welt diametral.

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