Attention Utility

by Finploris
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Können Informationen die Performance von Investoren negativ beeinträchtigen? Auswertungen der Account-Logins eines Online Brokers legen nahe, dass private Investoren von Börsennachrichten emotional stark beeinflusst werden. Bei positiven Nachrichten melden sie sich häufiger im Account an um den Depotstand zu kontrollieren. Bei schlechten Nachrichten ist es genau umgekehrt. Der Blick auf das Depot erfolgt nur noch selten.

Das Verhalten schwankt zwischen Aktivismus und hoffnungsvollem Abwarten. Gute Nachrichten und steigende Aktienkurse gelten als Indiz erfolgreichen Handelns. Sinkende Kurse verbunden mit schlechten Nachrichten hingegen als unbeeinflussbare und externe Faktoren. Aus der Sorge heraus, dass performancestarke Aktien fallen könnten, wird das Depot übermäßig häufig kontrolliert. Im Gehirn manifestiert sich dabei der zuletzt beobachtete Kurswert als innerlicher Anker. Gegen diesen Anker wird die weitere Kursentwicklung bewertet. Dabei werden kleinste Kursrücksetzer emotional übergewichtet und als drohender Aktienkursverfall vorweggenommen. Die Folge daraus ist, dass Gewinneraktien vorschnell verkauft werden. Akten mit Kursverlusten verbleiben hingegen im Depot, da die Realisierung des Verlustes als schmerzlich empfunden wird.

Studie: Attention Utility: Evidence From Individual Investors (2020)

Aus der Aufnahme von Informationen entwickelt sich unbewusst eine Sentimentanalyse, eine Bewertung des Stimmungsbildes von Nachrichten. Im Hinblick auf die tatsächliche Relevanz der Informationen lässt sich festhalten, dass diese nach gängiger wissenschaftlicher Meinung in der Regel bereits im Kurs eingepreist sind und ihnen nur eine geringe Bedeutung zukommt. Daher könnte eine von Emotionen gesteuerte Investmentstrategie dazu beitragen, langfristigen Vermögensaufbau durch vorschnelles Verkaufen zu unterminieren. Konkret bedeutet dies, dass ein langfristiger Anlagehorizont meist entspannender und erfolgreicher sein wird.

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