Die Chancen langfristigen Investierens

by Finploris
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Die empirische Studie von Paola Giuliano belegt, dass sich Geduld auszahlen kann. Aber nur bis zu einem gewissen Grad. Geduld ist im Folgenden in dem Kontext zu verstehen, in dem in der Gegenwart Verzicht geübt wird, um in der Zukunft dafür belohnt zu werden. Ein bekanntes Beispiel sind Investitionen in das Humankapital. Jedoch können exzessive Tendenzen des Verzichts zu hohen psychologischen Belastungen führen. Zu beobachten sind beispielsweise Depressionen bei Studenten infolge sozialer Isolierung und hohen Leistungsdrucks. Bis zu einem gewissen Level an Geduld steigt die Zufriedenheit. Grund hierfür ist, dass der Verzicht in der Gegenwart mit höheren Belohnungen in der Zukunft assoziiert wird. Dauert der Verzicht aber zu lange an, so führen unerfüllte und gegenwärtige Wünsche zu einer immer stärken Belastung der Psyche.

Falk et al. (2018)

Lassen sich die Erkenntnisse des Zusammenhangs aus Geduld und Zufriedenheit auch auf den Kapitalmarkt übertragen? Der bewusste Verzicht in der Gegenwart erhöht rechnerisch die Investitionsmöglichkeiten, mehr Geld zum Investieren ansparen zu können. Auch bei Anlagestrategien wie Buy and Hold kann sich Geduld auszahlen, indem Aktien langfristig im Depot gehalten werden und bewusst auf Market Timing verzichtet wird. Doch kann zu viel Geduld auch zum Hindernis werden, Entscheidungen zu treffen und konsequent umzusetzen. Zum einen kann zu langes Zögern während eines Börsencrash dazu führen, günstige Einstiegsgelegenheiten zu verpassen. Kaufgelegenheiten bei niedrigen Kursen werden dann nicht zum Investieren genutzt, da auf immer weiter sinkende Kurse gewartet wird. Zum anderen kann der Verkauf und damit die Realisierung von besonders hohen Verlusten zu steigenden Opportunitätskosten führen, indem keine Umschichtung auf Aktien mit höherem erwarteten Kurspotential erfolgt.

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