Main Street und Wall Street

by Finploris
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In der Öffentlichkeit führt die Entwicklung einzelner Aktienmärkte und der Wirtschaft manchmal zu Unverständnis. Warum steigen die Kurse, wenn sich die Wirtschaft noch in einer Rezession befindet? Es sind Situationen wie derzeit, in der nach starken Kurseinbrüchen eine rasche Aktienerholung einsetzt. Derweil befindet sich die Wirtschaft noch am Boden. Einem negativen Wirtschaftsindikator folgt der nächste. Nun geht es aber nicht nur darum, dass die Börse die Zukunftsaussichten vorwegnehmen kann. Vielmehr geht es um grundsätzliche Diskrepanzen. Scheint es nicht abwegig, dass der breite Aktienmarkt kurzzeitig nur zwischen 20 und 30 Prozent eingebrochen ist, während Arbeitslosigkeiten weltweit neue Höchststände erreichen?

Sprechen wir von der Wirtschaft als Ganzes, so inkludiert dies eine Vielzahl an Branchen. Einige von ihnen leiden derzeit besonders stark. Dazu gehört die Flug- und Automobilindustrie oder die Tourismusbranche. Doch wie hoch sind diese Branchen in einem Aktienindex wie dem S&P 500 gewichtet? Schauen wir uns die Zusammensetzung des S&P 500 genauer an. Die großen Techwerte, die in den vergangenen Jahren massiv an Wert zulegten, sind mit circa 18 Prozent im S&P 500 vertreten. Zu ihnen gehören Unternehmen wie Apple, Microsoft, Facebook, Alphabet oder Amazon. Ihre Kursperformance, die Entwicklung von gerade einmal fünf Aktien, bestimmt die Performance des S&P 500 überproportional stark. Die von der Coronakrise stark betroffenen Branchen waren schon vor der Krise im Index unterrepräsentiert. Und sind nun aufgrund gesunkener Marktkapitalisierungen noch geringer im S&P 500 gewichtet, wodurch sie nur geringfügig die Kursentwicklung des Index negativ beeinflussen. Die Übergewichtung besonders stark kapitalisierter Unternehmen mit einem intakten Geschäftsmodell kann auch in Krisenzeiten den breiten Aktienmarkt ansteigen lassen, während die Wirtschaft ganzheitlich betrachtet sich noch in einer Rezession befindet.

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