Was bewegt den Kapitalmarkt?

by Finploris
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In einer Untersuchung geht die Bank for International Settlements (BIS) der Frage nach, ob Aktienmarktentwicklungen von globalen oder lokalen Impulsen geprägt sind. Die lokale Prägung des Aktienmarktes, der sogenannte „domestic financial cycle“ (DFC) beschreibt, wie finanzielle Bedingungen innerhalb einer individuellen Wirtschaft zur einem Boom-Bust-Zyklus führen. Dabei wird aus wissenschaftlicher Sicht die Rolle finanzieller Faktoren in makroökonomischen Modellen integriert. Die globale Ausprägung des Aktienmarktes, der „global financial cycle“ (GFC) fokussiert sich hingegen darauf, wie globale finanzielle Bedingungen individuelle Volkswirtschaften beeinflussen. Haupttreiber sind dabei grenzüberschreitende Kapitalflüsse, die durch externe finanzielle Konditionen zu einem Push- oder Pullfaktor des Geldflusses werden.

Source: BIS

Studien heben hervor, dass globale Risikovermögenspreise durch den Risikoappetit der Investoren und der amerikanischen Geldmarktpolitik mitbestimmt werden. Dabei tendieren das Banksystem und grenzüberschreitende Kapitalflüsse dazu, dass Banken ihre Bilanzsumme in guten Zeiten ausweiten und in schlechten Zeiten kontrahieren, wodurch sich globale Liquiditätszyklen verändern können. Beiden Konzepten ist daher aus analytischer Perspektive gemeinsam, dass Risikoaffinität und Risikoaversion Einfluss auf Finanzierungskonditionen und Vermögenspreise haben. Substantielle Unterschiede ergeben sich hingegen anhand der Geographie. Während der DFC Einflussfaktoren auf individuelle Länder beschreibt, erfasst der GFC abgestimmte Bewegungen externer Konditionen über Länder hinweg. Auch die Vermögenswerte und deren Quantität unterscheidet sich. Der DFC betont Kredit und Vermögenspreise, der GFC hingegen grenzüberschreitende Schulden- und Eigenkapitalflüsse, sowie finanzielle Vermögenswerte.

Aus empirischer Sicht zeigt sich, dass der globale Zyklus (rot) eine Laufzeit ähnlich der eines Konjunkturzyklus in Höhe von zwei bis acht Jahren hat. Der lokale Zyklus (blau) umspannt einen längeren zeitlichen Umfang, in der Regel die doppelte Länge des Globalen, da er von mittelfristigen Schwankungen der Wirtschaftsleistung abhängig ist. Aufgrund der zugrundeliegenden Faktoren korrelieren beide Zyklen kaum. Das ist von Vorteil, denn ansonsten würden sich die Zyklen gegenseitig bedingen, wodurch wirtschaftliche Auf- und Abwärtsbewegungen noch volatiler wären.

Source: BIS

Jedoch, und dies mag das Gefühl einiger Investoren bestätigen, beginnt die Korrelation beider Zyklen sich etwas anzunähern. Bis ins Jahr 2000 lag die Korrelation bei 0,25. Danach fing sie an auf 0,5 im Mittel zu steigen. Doch woher mag die angestiegene Korrelation kommen? Ein Erklärungsversuch liegt in der Globalisierung begründet, wodurch wirtschaftliche Verwerfungen eines Landes sich aufgrund internationaler Güter- und Zahlungsströme auf andere Volkswirtschaften stärker ausbreiten können. Dadurch lohnt es sich, wirtschaftliche Krisen nicht auf einzelne Regionen isoliert zu betrachten, sondern sie im Kontext globaler Beziehungen zu analysieren.

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